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Wie aus einer kleinen App ohne Fremdkapital ein Unternehmen mit 20.000 Dollar Monatsumsatz wurde

September 15, 2026
Wie aus einer kleinen App ohne Fremdkapital ein Unternehmen mit 20.000 Dollar Monatsumsatz wurde

Diese Geschichte wurde ursprünglich auf Reddit veröffentlicht.

Ich bin Full-Stack-Webentwickler aus Polen und habe zusammen mit meinem Zwillingsbruder Free Your Music entwickelt. Mit Free Your Music kannst du deine Playlists zwischen Musikstreamingdiensten wie Spotify, Apple Music, Amazon Music und anderen übertragen. Die meisten unserer Kunden möchten einfach zu einem anderen Anbieter wechseln und ihre Playlists mitnehmen.

Ich möchte euch erzählen, wie aus einem kleinen Skript, das ich für mich selbst geschrieben habe, ein profitables Unternehmen wurde, das inzwischen fast sechs Jahre besteht.

Wie ich auf die Idee kam

Direkt nach dem Start von Apple Music im Jahr 2015 wollte ich unbedingt von Spotify wechseln, um den neuen Dienst auszuprobieren. Normalerweise entwickelt irgendjemand ein Tool wie Free Your Music. Doch nach zwei Wochen Wartezeit stellte ich fest, dass es immer noch nichts gab.

3.000 Songs von Hand zu übertragen hätte Stunden gedauert. Also überlegte ich, wie sich der Vorgang automatisieren ließe. Nachdem ich ein paar Stunden mit Apple Script herumgespielt hatte, entstand eine App, die tatsächlich einfach per Maus Dinge in iTunes anklickte: nach einem Song suchen -> auf „Mehr“ klicken -> Musik per Klick hinzufügen -> wiederholen.

Wie die App funktioniert

Das Prinzip ist ganz einfach. Zuerst meldest du dich mit deinem Konto bei einem Streamingdienst an, zum Beispiel Apple Music, und anschließend bei einem anderen, etwa Spotify. Free Your Music ruft dann alle deine Playlists samt Songtiteln, Künstlernamen und Alben von Apple Music ab. Danach sucht die App auf Spotify nach den passenden Songs und hilft beim Abgleich ein wenig nach: Manche Dienste verwenden zum Beispiel „[feat]“, andere dagegen „(feat)“. Sobald FYM alle Songs richtig zugeordnet hat, erstellt die App eine Playlist auf Spotify.

Mehrere Dienste als Quelle und Ziel einzubinden, ist immer etwas knifflig, weil sie sich so stark voneinander unterscheiden!

Machen wir ein Unternehmen daraus

Ich dachte mir, dass mein Tool auch für andere nützlich sein könnte. Also erstellte ich eine kleine Website und stellte es auf ProductHunt vor. Anfangs war es kostenlos, aber über einen „Spendier mir ein Bier“-Button konnte man etwas spenden 😉 Schon am ersten Tag berichteten mehrere Zeitungen und Onlinemagazine darüber. 20.000 einzelne Besucher kamen auf die Website, und ich erhielt 97 € an Spenden. Ich dachte: „Das alles, weil ich nach Feierabend ein kleines Skript geschrieben habe? Cool.“

Dann sagte mein Bruder: „Hey, lass uns das verbessern und verkaufen!“ Also setzten mein Bruder Mike, unser Freund Chris und ich uns zusammen und entwickelten die ganze Nacht eine richtige App. Ich glaube, es war fünf Uhr morgens, als wir sie veröffentlichten. Innerhalb von fünf Minuten erhielten wir die erste Zahlung. Danach legten wir uns für ein paar Stunden schlafen.

Anschließend ging es richtig rund. Ich ging wieder zur Arbeit und sah, wie den ganzen Tag über Leute Lizenzen kauften. Es gab so viel zu tun, dass ich mir eine Woche freinehmen musste. In den ersten Monaten arbeiteten wir 16 Stunden am Tag: die eine Hälfte in unseren Vollzeitjobs, die andere an Free Your Music.

Wie sich der Umsatz entwickelte

Im ersten Monat machten wir dank ProductHunt über 15.000 € Umsatz. In den darauffolgenden Monaten war es deutlich weniger, etwa 6.000 €. Nach fünf Jahren lag unser durchschnittlicher Monatsumsatz bei rund 20.000 €.

Wir haben mit verschiedenen Preismodellen experimentiert: Anfangs kostete Free Your Music 5 €, dann 12 €. Nach einigen Tests stellten wir fest, dass ein Preis von 9 € am besten funktionierte. In der Zwischenzeit haben wir auch die Unterstützung für iOS, Android und viele neue Musikdienste ergänzt.

Dank Free Your Music konnten mein Bruder und ich unsere Jobs kündigen und uns auf den Aufbau unserer eigenen Unternehmen konzentrieren.

Wie wir gewachsen sind

Von Anfang an haben wir auf die richtigen SEO-Tags und die grundlegende Suchmaschinenoptimierung geachtet. Wenn du nach „SEO website checker“ googelst, findest du jede Menge Angebote, die dir zeigen, was deiner Website noch fehlt: Meta-Tags, Beschreibungen, schnelle Ladezeiten, H1-Tags, Komprimierung und so weiter. All das beeinflusst dein Google-Ranking.

Danach wuchs das Ganze organisch. Wir verbesserten einfach laufend unsere Apps und ergänzten neue Dienste und Plattformen. Außerdem waren wir die Ersten, die das Übertragen von Apple-Music-Playlists über eine iOS-App ermöglichten. Möglich wurde das durch das Update auf iOS 9.3.

Das eigentliche Wachstum begann, als uns klar wurde, dass Free Your Music ein richtiges Unternehmen war und nicht bloß eine Geldquelle, die nach ein paar Monaten wieder versiegen würde. Ab da zahlten wir uns feste Gehälter aus, allerdings keine besonders hohen. Wir ließen viel Geld auf dem Firmenkonto und konnten dadurch in das Unternehmen investieren. Wir stellten weitere Leute ein, die uns bei der Entwicklung, im Marketing und im Kundensupport unterstützten.

Wir überlegen ständig, wie wir Free Your Music verbessern können, damit unsere Nutzer zufriedener sind. Gerade bringen wir einen neuen Dienst für Musikkuratoren auf den Markt. Er soll Künstlern und Marken helfen, mit universellen, plattformübergreifenden Playlists ihr Publikum zu vergrößern.

Wie wir die rechtlichen Dinge geregelt haben

Free Your Music war über Nacht erfolgreich, und wir verdienten schon am ersten Tag Geld. Deshalb mussten wir so schnell wie möglich ein Unternehmen gründen.

Zum Glück waren meine Eltern selbstständig gewesen, sodass ich mit dem Unternehmertum vertraut war. In Polen lässt sich ein Unternehmen in weniger als einem Tag gründen. Also nahm ich mir ein paar Tage frei und hatte schon am nächsten Tag mein Unternehmen angemeldet. Anschließend gründeten wir eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts nach polnischem Recht, im Grunde einen Zusammenschluss der Einzelunternehmen aller Gründer.

Damit hatten wir allerdings ein Problem: Die Gesellschaft war keine eigenständige juristische Person, und bei Schwierigkeiten hätten wir persönlich für alles gehaftet. Außerdem vertrauten uns die Leute weniger, wenn sie den für sie ungewohnten Zusatz „Partnership“ im Firmennamen sahen. Sie waren an LTDs und Unternehmen aus Delaware gewöhnt. Deshalb gründeten wir in den darauffolgenden Monaten Free Your Music LTD in Großbritannien und verlagerten alles dorthin.

Was rechtliche Fragen anging, achteten wir immer darauf, niemandem auf die Füße zu treten. Die Musikbranche nimmt ihre Rechte sehr ernst. Deshalb stellten wir sicher, dass wir gegen keine Lizenzbedingungen verstießen.

Was wir heute anders machen würden

  1. Wir hätten auf jeden Fall von Anfang an Electron genutzt, um eine Windows-/MacOS-Version auf einer gemeinsamen Codebasis zu entwickeln. Anfangs bauten wir separate native Apps für Windows und MacOS. Irgendwann merkten wir, dass es zu viel Zeit kostete, Funktionen auf Windows zu übertragen, weil unser Schwerpunkt auf MacOS lag. Ich bin froh, dass wir den Mut hatten zu sagen: „Lasst uns die bestehende App mit Electron neu schreiben, damit wir eine gemeinsame Codebasis haben – bis auf wenige Ausnahmen wie den iTunes-Proxy.“
  2. Wir hätten von Anfang an eine LTD gegründet.
  3. Wir hätten viel früher Geld für ein professionelles Logo und Webdesign ausgegeben.
  4. Wir hätten Stripe statt Braintree genutzt, weil die Bank von Braintree unser Konto schloss, da sie die Lizenzbedingungen des Spotify SDK nicht verstand.

Natürlich wissen wir das alles erst heute. Als Free Your Music startete, hatten wir keine Ahnung, wie lange es bestehen würde. Deshalb waren wir mit Ausgaben vorsichtig.

Wir haben unsere Jobs nicht sofort gekündigt, falls FYM scheitern sollte. Ich halte das für eine gute Entscheidung: Du solltest nicht gleich ins kalte Wasser springen. Probiere deine Idee erst in Ruhe aus und betreibe dein Unternehmen zunächst als Nebenprojekt. Behalte dabei im Blick, wohin es sich entwickelt, und entscheide dann zügig: mein bisheriger Job oder mein eigenes Unternehmen. Rückblickend hätten wir früher kündigen sollen.

Ein paar Tipps, wie du aus deinem Nebenprojekt ein profitables Unternehmen machst

Um unabhängig zu sein, musst du genug Geld für deinen Lebensunterhalt verdienen. Wenn du nach Feierabend an einem Projekt arbeitest, es aber auch nach Monaten noch keine zahlenden Kunden hat, bedeutet das meistens: Entweder gibt es dafür keinen Markt, oder du hast dich noch nicht genug darauf konzentriert.

Vor Free Your Music habe ich zahlreiche Projekte gestartet, die gescheitert sind. Dabei habe ich Folgendes gelernt: Jedes Unternehmen muss Geld verdienen. Projekte, die das nicht schaffen, musst du zügig beenden. Behandle dein Nebenprojekt wie jedes andere Unternehmen. Wenn es nach ein paar Monaten kein Geld einbringt, ändere etwas an deinem Produkt oder beende es und starte etwas Neues.

Lagere außerdem Aufgaben aus, die dich viel Zeit kosten, die aber auch jemand anderes erledigen könnte. Wir haben viel Zeit damit verloren, Kunden-E-Mails zu beantworten, statt die App zu verbessern.

Lies alles von Paul Graham. Seine Texte enthalten so viel Wissen und gute Ratschläge, dass du staunen wirst.

Lies dir durch, wie andere Unternehmen angefangen haben. Es stimmt, dass fast jedes Unternehmen mit ähnlichen Problemen zu kämpfen hat. Bestimmt gibt es ein Unternehmen in deiner Branche oder mit ähnlichen Problemen, von dem du lernen kannst.

Sprich mit anderen. Es gibt unzählige Slack-Gruppen, Facebook-Gruppen, Fragen auf Quora und vieles mehr. Du wirst überrascht sein, wie hilfsbereit andere sind.

Stell dich breiter auf. Hätten wir uns weiterhin nur auf Spotify und Apple Music sowie ausschließlich auf MacOS konzentriert, wären wir heute viel kleiner oder längst weg vom Fenster. Schau dich nach Marktchancen um, die du bisher nicht nutzt, die du mit deinem Produkt aber leicht erschließen könntest. Denk zum Beispiel daran, wie Uber in die Essenslieferung eingestiegen ist. Das kannst du auch, selbst wenn du deutlich kleiner bist als Uber.

Deine Playlists gehören dir.

Hör auf, von Hand neu aufzubauen. Verschiebe alles in Minuten und nimm deine Musik überallhin mit.

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